Inklusion als Alltagskompetenz
Unser Erfahrungsbericht

Vom Hessischen Kindertagespflegebüro wurde eine Fortbildung zum Thema Inklusion als Alltagskompetenz ausgeschrieben. Für die Frankfurter Teilnehmerinnen wurden die Kosten vom Stadtschulamt übernommen.

Wir – das sind Heike Erlenbach, Agata Adamiec und Lisa Goebel aus Frankfurt sowie Elke Hirt aus Usingen (Hochtaunuskreis) – haben als Lerngruppe an dieser Fortbildung teilgenommen und möchten von unseren Eindrücken, Inspirationen und Erfahrungen berichten.

 

Hier ein kurzer Einblick in den Umfang und die Dauer der Fortbildung, die mit einer Zertifikatsübergabe in einen feierlichen Rahmen endete:

Der Umfang der Fortbildung war in 6 Blöcke (insgesamt 111 UE) aufgeteilt, Start war im November 2018 in Groß-Gerau bzw. Maintal. Die Blöcke waren aufgeteilt in Anwesenheitstage, Selbstlerneinheiten in Lerngruppen, zwei Tagen Hospitation in einer Krippe/Kita und das Erstellen eines Praxisberichtes sowie einer Abschlussprüfung in Form einer Lerngruppenpräsentation zum Thema Inklusion und einer Hausarbeit mit direktem Bezug zur bestehenden Tagespflegegruppe.

Geleitet und begleitet wurden die Teilnehmerinnen von Anna Klein und Stefanie Salomon sowie weiteren Referenten der Frühförderstellen.

Zu den bereits vorhandenen Kompetenzen der Teilnehmerinnen wurden die Bereiche und Inhalte zum Thema Inklusion erarbeitet und vertieft. Dies beinhaltete vor allem die Schwerpunkte Wissen um die UN-Behindertenrechtskonvention, Kinderrechte, Diversität der inklusiven Frühpädagogik und die Bedeutung von Heterogenität sowie praxisnahe Themen wie z. B. eine anregungsreiche Entwicklungsumgebung zu schaffen.

 

In Einrichtungen mit und ohne integrative Kinder konnte hospitiert werden und dort der Bezug zu Theorie und Praxis vertieft werden. Diese Hospitationen liefen bei jeder Teilnehmerin individuell ab. Jede wählte eine Praxisaufgabe, unter deren Blickwinkel sie den Kita-Alltag beobachtete und hinterher in einem Bericht auswertete. Die eigene Arbeit in der Kindertagespflege wurde dabei durchleuchtet und kritisch unter dem Aspekt der Inklusion betrachtet.

 

Ein Begriff, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Fortbildung zog, war „die Haltung“. Eine Haltung, die Andersartigkeit zulässt, sie als Bereicherung ansieht, das ist der Schlüssel zur Inklusion. Ein Aha-Effekt war für uns alle, dass wir diese Haltung gar nicht erlernen müssen, wir hatten sie schon intuitiv in unserer Kindertagespflege angewandt. Denn Heterogenität existiert nicht nur im Hinblick auf Behinderung, auch Alters- oder Kulturunterschiede zählen dazu und da waren wir schon durch unsere Tätigkeit mit Kindern verschiedener Altersgruppen und in einer multikulturellen Stadt wie Frankfurt intensiv damit befasst.

Unsere Haltung, dass wir Kinder in ihrer Verschiedenartigkeit zur Teilhabe in allen Lebensbereichen ermutigen und begleiten möchten, das hatte uns in diesem Kurs zusammengeführt und wir konnten diesen Grundgedanken auf professionelle Weise festigen und untermauern.

 

So ist es nun ein fester Bestandteil in unserer täglichen Arbeit geworden, die Verschiedenartigkeit, gleich welcher Art, wertzuschätzen und jedem Kind gemäß seinen Möglichkeiten die Teilhabe zu ermöglichen. Barrieren bauen wir ab und lassen dann das Kind dessen Selbstwirksamkeit erfahren, damit es zu einem gesunden Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein finden kann. Somit helfen wir auch die erlernte Hilflosigkeit z. B. von Kindern mit Behinderung zu vermeiden, in dem wir sie pädagogisch unterstützen mutig an allem teilzuhaben. Somit wäre der erste Schritt gemacht und der Grundstein gelegt, zu einem System, in dem es normal ist anders zu sein und somit Ausgrenzung vermieden werden kann. Denn wie wir gelernt haben, ist die umfassende Teilhabe aller Menschen in allen Bereichen nicht nur ein „schöner Gedanke“, sondern ein Menschenrecht.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt war für uns auch, in Bezug auf die Elternarbeit unsere Sichtweise inklusiv zu gestalten. Als Tagesmütter/-väter betreuen wir nicht nur Kinder. Wir sind sehr oft der Ansprechpartner der ganzen Familie. Kooperation mit den Eltern im Sinne der Erziehungspartnerschaft ist ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Zusammenarbeit mit den Familien sollte somit auch von Inklusion geprägt sein. Es fängt mit der richtigen, wertschätzenden Kommunikation an, die besonders bei den Unterdreijährigen wichtig ist. Mit den Eltern sollten wir zusätzlich zur Wertschätzung auch versuchen stets im Dialog statt in der Diskussion zu bleiben. Dies haben wir im Rahmen der Fortbildung in verschiedenen Rollenspieleinheiten intensiv trainiert. Inklusion in der Kindertagespflege ist für uns weit mehr als offen zu sein und Interesse an der Familienkultur zu zeigen. Es bedeutet auch, der Inklusion einen Platz in der Kindertagespflegestelle einzuräumen. Das ist möglich durch die Auswahl passender Spielsachen, Bücher in verschiedenen Sprachen oder Kinderlieder und Rituale, die der Familie wichtig sind. Inklusive Erziehungspartnerschaft kann auch gut gelingen, wenn den Eltern Teilhabe an dem Geschehen in der Tagespflege ermöglicht wird.

 

Wir haben bereits überlegt, ein Kind mit besonderem Förderbedarf in unseren Gruppen aufzunehmen, Konzepte wurden umgeschrieben und angepasst, die Räumlichkeiten umgestaltet. Der Fokus wurde zum Beispiel auf Bewegung gelegt und das Angebot für die Kinder so angepasst, dass alle Altersgruppen, die in der Kindertagespflege betreut werden, angesprochen werden. Durch kleine Änderungen im Raumkonzept können wie den Tageskindern eine klar strukturierte Umgebung anbieten, Umgebungsreize minimieren und durch vielfältig nutzbare Spielangebote die Entwicklung der Kinder positiv unterstützen.

 

Unser Fazit ist, dass wir alle vier die Fortbildung nachhaltig und umfassend für uns nutzen konnten und wir noch immer tief beeindruckt von der Komplexität und dem Effekt sind, der uns dazu gebracht hat, die Welt nun automatisch durch die „Inklusionsbrille“ sehen. Solche Chancen, wie diese Fortbildung sind und bleiben eine Bereicherung für die Qualität in der Kindertagespflege und wir würden es sehr begrüßen, wenn es diese Chancen auch weiterhin für uns und unsere Kolleginnen geben würde.