Interviews mit Frankfurter Tagesfamilien
Herr Moog, Frau Scharrer und Frau Krishnamoorthy berichten

„Wie man in das Kind hineinlacht, so lacht es heraus.“
Fragen an Herrn Martin Moog – Tagesvater im Gallus:

 

Wie kamen Sie auf die Idee Tagesvater zu werden?
Nach dem Graphikdesignstudium (Visuelle Kommunikation) an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach habe ich u. a. 10 Jahre lang selbstständig als Fotograf, Kaufmann und Geschäftsführer im eigenen Fotogeschäft gearbeitet. Mit der Geburt meines Sohnes im Herbst 2005 habe ich nach eingehender Beratung mit meiner Partnerin entschieden, unseren Sohn zu betreuen. Damit er nicht alleine aufwächst habe ich schon während der Schwangerschaft meiner Frau die entsprechende Grundqualifizierung bei der Stadt Frankfurt begonnen und im Dezember 2005 abgeschlossen.
Mit den wesentlichen pädagogischen Grundlagen zu Kindesentwicklung, Kindes-bedürfnissen und Kindeswohl ausgestattet, habe ich dann ab Februar 2006 das erste Tagespflegekind angenommen und betreue seitdem durchgehend kontinuierlich bis zu 3 Tagespflegekinder im Alter von 1-3 Jahren gleichzeitig in einer 4-Tage-Woche (Montag bis Donnerstag).
Bei der Evangelischen Familienbildung in Frankfurt biete ich, seit Februar 2008 bis heute,  jeweils samstags Musikkurse in Musikalischer Früherziehung („Klangohr-hasen“) für Väter mit Kindern (1,5-4 J.) an, die allen Beteiligten großen Spaß machen. Seit meinen Jugendzeiten bin ich musikalisch aktiv, erst mit der Violine im Schul-orchester, später Hammerflügel, dann Tenor in 2 Chören.

Wie sehen Sie Ihre besondere Rolle als Tagesvater?
Einen wesentlich geschlechterbezogenen Unterschied bezüglich der pädagogischen Fähigkeiten sehe ich nicht – allerdings steht man als Mann in der Kleinkindbetreuung schon eher im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das geht Frauen in sogenannten Männerberufen sicherlich ebenso.
Meinerseits ist es jedenfalls von Vorteil, dass ich, aufgrund anderer Rollenerwartung, einen gesellschaftlich weniger stark vorgeprägten Verhaltenskodex verinnerlicht habe, so dass ich zum Teil flexibler und weniger eingeschränkt pädagogisch handeln kann. Meine Handlungsoptionen und Erziehungsziele kann ich daher leichter sowohl an meine, wie an die Ziele der Eltern anpassen.
Die passenden wie hilfreichen Fortbildungen aus der Aufbauqualifizierung und zu anderen pädagogischen Themen nehme ich gerne wahr und habe mich lange schon an die spezielle Situation, als einzelner Mann unter vielen Frauen, gewöhnt. Den vielleicht eher männlichen direkten Kommunikationsstil pflege ich nach wie vor und habe damit überwiegend positive Erfahrungen gemacht, gerade auch im Hinblick auf Erziehungsfragen im verbalen Austausch mit Eltern und PädagogInnen.
Kinder schätzen die klare, direkte aber freundlich formulierte Botschaft sowieso.
Auch von den Eltern meiner Tagespflegekinder erhalte ich regelmäßig positive Rückmeldungen bezüglich meines grundsätzlichen Zutrauens in die kindlichen Fähigkeiten und das Einbeziehen von humorvollen spielerischen Elementen in der
Kommunikation.

 

Was sind Besonderheiten  in Ihrem Betreuungsalltag?
Der Alltag bleibt immer spannend und ist glücklicherweise nicht allein mit Routine zu bewältigen. Schöne Rituale für die täglichen Aufgaben wie Anziehen, Windel wechseln, Mittagessen, dazu kleine Lieder und Reime zu erfinden – das macht Spaß und erleichtert u. a. die Bewältigung dieser Aufgaben.

Besonderen Spaß macht auch das Imitieren von Tieren in Gestik und Geräuschen, das Verstecken von Gegenständen und das Pusten wie Anstupsen von Seifen-blasen. Beispiel Seifenblasenlied:

Ein besonderes Highlight ist immer auch der Besuch des Eltern-Kind-Treffs.
Im Bewegungsraum werden regelmäßig neue Turnmöglichkeiten aufgebaut und das Spielzimmer bietet eine gute Auswahl von altersgerechten Spielmaterialien an.
Wenn wir wieder zuhause sind wird frisch gekocht, gegessen, Zähne geputzt und ca. 1,5 – 2 Stunden geschlafen. In meiner Tagesgestaltung ist auch die nachmittägliche Schaukelrunde bei uns im Garten (auch im Winter) sowie die kleine anschließende „Kaffeepause“ mit obligatorischem Snack (Obst oder Waffel) sehr beliebt.

 

Ebenso wird u.a. der Besuch des Frankfurter Zoos sehr geschätzt, Löwen, Tiger, Seebären, Giraffen, Bonobos, Paviane und Marabus beeindrucken schon sehr, doch vor allem der Plastikvorhang im Vogelhaus wird ausgiebig zum Durchrennen als echtes Spielgerät genutzt.

 

 

 

 

Welche Haltung zu Entwicklung, Bildung und Erziehung vertreten Sie?  Wie sieht Ihr Bild vom Kind aus?
Im Wissen um die prägende Erfahrung der frühen Entwicklungsjahre des Babys, (des Kleinkindes) ist es wichtig den Entwicklungsstand des Kindes stets im Auge zu haben und altersgemäß zu agieren, u.a. das Vertrauen und die Bindungsqualität beizubehalten, was eine freundliche Kommunikation auf Augenhöhe sowie einen gänzlichen Verzicht auf das sog. „Schimpfen“ und „Strafen“ impliziert. Das Kleinkind benötigt dazu sowohl Distanz und Platz zum Selbst-Ausprobieren als auch Nähe und Hilfestellung, die es in aller Regel mit etwa einem Jahr selbst einfordert.
Ein ausführlicher Austausch mit den Eltern, ein ausgiebiges Kennenlernen aller Beteiligten und die Bildung einer ehrlichen Erziehungspartnerschaft sind für ein Gelingen unerlässlich.

Den kindlichen Interessen, der Verweildauer im Spiel, als auch dem Lerntempo gebe ich den nötigen Raum und unterlasse entmutigende Bemerkungen sowie ungeduldige kommunikative Einwürfe.
Meine pädagogischen Prinzipien folgen keinem festen unveränderlichen Konzept. Sie orientieren sich im weiteren Sinn jedoch am ko-konstruktiven Ansatz von Lew Wygotski und berücksichtigen Pikler und Montessori Pädagogik. Gewaltfreie Interaktion und empathische Kommunikation – die Klärung von Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Erwartung statt Verurteilung und Diagnose (Marshall Rosenberg) – als auch achtsame vertraute Bindung (Bowlby), (Prof. Brisch: „Bindung und Umgang“) sind für mich die Basis meiner pädagogischen Haltung, die sich an den Bedürfnissen des Kindes orientiert.

 

Was möchten Sie künftigen Tagespflegepersonen aus Ihrer Erfahrung gerne mitteilen?
Nach meiner Erfahrung sollte das Wickeln der Babys bzw. Kleinkinder sehr behutsam (Windel recht locker anlegen) ablaufen, da sich sonst bei ihnen eine Wickelangst herausbilden kann, die aus den Bauchschmerzen und dem Engegefühl resultiert. Die Beseitigung einer bestehenden Wickelangst, erkennbar durch Ausweichverhalten, Weinen und Wegdrehen des Kindes, kann 4-6 Wochen in Anspruch nehmen. Zudem ist es günstig alle vorzunehmenden Handlungen sprachlich zu begleiten und ggf. auch mit Reimen und Liedern zu versehen (freundliche Rituale aufbauen).

Ein kleines Beispiel für das Windeln wechseln – dabei werden die angesprochenen Körperteile beim Kind sanft, eher langsam und entspannt berührt:


Und der Fuß, Fuß, Fuß gibt `nen Gruß, Gruß, Gruß
und das Bein, Bein, Bein, das ist fein, fein, fein
und der Po, Po, Po, der ist froh, froh, froh
und der Bauch, Bauch, Bauch ist es auch, auch, auch.

Und der Rücken, Rücken, Rücken kann entzücken, kann entzücken
und die Backen, Backen, Backen kann man zwacken, kann man zwacken
und die Nase, Nase, Nase, Osterhase, Osterhase
und das Haar – ist wunderbar.

 

Kleinkinder brauchen auch ausreichend Zeit um sich vom Spiel und dem Spielort zu lösen. Bei Orts-und Situationswechsel ist es hilfreich etwa 15 Minuten vorher den Änderungswunsch freundlich verbal (nicht als Frage) anzukündigen und diesen Sachverhalt 5-7mal zu wiederholen, bevor man dann wirklich ohne Zeitdruck aufbricht. Bei auftretenden Konflikten unter den Kindern gilt es stets freundlich zu bleiben, Alternativen anzubieten sowie Aggressionen nicht mit Aggression zu beantworten.
Nach dem Motto: Wie man in das Kind hineinlacht, so lacht es heraus.

 


 

„Mit Spaß und Bewegung – besondere Momente in der Kinderbetreuung….“

Gespräch mit Sabine Scharrer – Tagesmutter in Bornheim

 

 

Seit wann sind Sie Tagesmutter und wie kamen Sie auf die Idee, Tagesmutter zu werden?

Ich bin seit 12 Jahren Tagesmutter. Die Idee hatte sich entwickelt, als ich im Erziehungsurlaub mit meinem Sohn war. Meine Tochter kam gerade in die Schule und da habe ich ihre Freundin während der 1.Klasse mitbetreut. Nach dem Erziehungsurlaub wollte ich wieder in meinen alten Beruf als Buchbinderin einsteigen, fand aber keine passende Anstellung.

Da kam die Idee Tagesmutter zu werden. Eine Bekannte von mir ist Tagesmutter, bei der konnte ich mir das mal anschauen. Vom Grundprinzip hat mir das gut gefallen, so dass ich mich bei der Stadt erkundigt habe. Im Mai 2006 habe ich mit der Grundqualifizierung begonnen von damals noch 45 Unterrichtseinheiten.

 

 

Was waren/ sind Aha-Momente während Ihrer Qualifizierung zur Tagesmutter oder im Rahmen der Aufbauqualifizierung?

Es gibt viele Aha-Momente. Das erste Mal, wo ich gedacht habe, das ist ja toll, war, als mir bewusst geworden ist, dass es für Kinder wichtiger ist, etwas auszuprobieren und zu erkunden als ein bestimmtes Ziel zur erreichen.

Ich habe mir bei den Tageskindern sehr viel Mühe gegeben nicht vorschnell einzugreifen, mit dem Bewusstsein, dass die Autonomie- und Trotzphase ein wichtiger Bestandteil in der Entwicklung der Kinder ist.

Letztes Jahr habe ich eine große Fortbildung zum Emmi-Pikler-Ansatz am Hof besucht. Das war eine große Bereicherung, vor allem im Hinblick auf die Wahrnehmung des Kindes und den Kontakt zum Kind.

 

 

Fließen Inhalte aus der Fortbildung zum Emmi-Pikler-Ansatz in ihre Arbeit mit den Kindern ein? Haben Sie darüber hinaus weitere Schwerpunkte in Ihrer pädagogischen Arbeit?

Wenn man so ein Seminar wie das zum Emmi-Pikler-Ansatz besucht hat, dann kann man das gar nicht mehr aus seinem Leben herausstreichen. Ich glaube, dass das so in mir übergegangen ist, dass ich einfach danach handele.

Aber neben Emmi-Pikler und der Aufmerksamkeit, die ich den Kindern widme, ist auch Bewegung ein Faktor, den ich sehr wichtig finde, Bewegung in jeder Form. Sei es, dass die Kinder hier krabbeln und toben können, jeden Tag rausgehen, laufen, auf dem Spielplatz rennen und klettern. Je mehr sie sich bewegen, desto besser entwickeln sich die geistigen Fähigkeiten. Je entspannter sie sind, desto leichter fällt ihnen das Lernen.

Ich lege auch viel Wert auf die Sprache und die sozialen Kompetenzen, damit der Umgang innerhalb der kleinen Gruppe gut ist. Mein Ziel ist es auch, dass die Kinder aufeinander Rücksicht nehmen, lernen miteinander zu spielen, andere mit einbeziehen und nicht ausgrenzen. Ich denke, das sind so meine Schwerpunkte.

 

Was sind für Sie Highlights im Betreuungsalltag?

Was ich als besondere Situation erlebe, ist die Einschlafsituation und wenn die Kleinen schlafen. Das hört sich vielleicht komisch an. Dann liegen sie so friedlich da, ich betrachte sie und denke, es ist so schön, das mitzuerleben: wie sich die Kinder entspannen und ausruhen, dass sie einen Tag hinter sich haben mit vielen Anstrengungen, was sie wieder alles gelernt haben, an neuen Wörtern und Bewegungen. Einfach nur zusammen spielen ist für Kinder ja auch schon eine große Herausforderung.

Auch die Einschlafrituale zu sehen, was jeder braucht: ein Gute-Nachtlied oder ein ruhiges Lied, damit die Kinder dann gut einschlafen mit ihrem Kuscheltier oder ihrem Schnuller. Das ist wunderschön.

Aber auch andere Momente, wenn sich die Kinder freuen, z.B. wenn sie morgens kommen, gleich was erzählen, mich umarmen, das machen auch viele oder wenn sie zum Spielen gehen wollen und mir gleich was zeigen. Das sind Momente, die sind sehr rührend.

 

Worüber konnten/ können Sie mit ihren Tageskindern herzhaft lachen?

Erinnern Sie sich an eine bestimmte Situation?

Natürlich gibt es immer wieder Momente zum Lachen. Lustig und fröhlich sind die Kinder und ich in Bewegung, z.B. wenn sie auf der Couch rumhopsen.

Ich erinnere mich an eine Jungengruppe, die waren richtig wild. Mit denen musste ich immer rausgehen. Einmal waren wir in voller Montur unterwegs. Es hat geregnet und sie sind wie verrückt in die Pfützen gesprungen. Das Wasser spritzte. Sie haben mich vollgespritzt. Und da mussten wir auch alle ganz herzhaft lachen, es war so witzig und lebendig.

Was ich auch gerne mache ist mit den Kindern zu rennen und dann auch mal zu schreien. Wir haben einen Spielplatz, da gibt es eine Anhöhe, die rennen wir runter und schreien. Und wenn wir dann noch gegeneinander rennen, ist das ein ganz befreiendes Gefühl. Das können auch schon die kleineren Kinder, da sind sie so glücklich. Oder irgendwo drum herumrennen z.B. um einen Baum und den Kindern entgegen kommen.

Beim Essen gibt es auch immer lustige Erzählungen. Ein Kind hat erzählt, ihr Papa könnte nicht mit in Urlaub fahren, er hätte seine Unterhosen nicht gefunden. Aber sie könnte mitfahren. Sie hätte ja für jeden Tag eine eingepackt.

Ein Kind hatte mich gefragt, was brummt denn hier so? Da hab ich gesagt, das ist der Motor des Kühlschranks. Der brummt, wenn er wieder anspringt. Da sagte das Kind, der Papa brummt auch immer so, wenn ich morgens zu ihm zum Kuscheln komme

 

Die älteren Kinder mögen auch Wortspiele oder Reime. Ein Junge sagte zu mir „Was hast Du gesagt, heute gibt es Eis?“ Ich antwortete: „Nein, ich habe gesagt, heute gibt es Reis oder meinte ich Mais?“ Das finden sie sehr lustig. Die Kinder: „Nein, wir wollen Eis“. Ich dann wieder: „Nein heute gibt es nur Reis“. Und dann rufen sie „nein, nein, nein wir wollen Eis“. Das kann man gut mit Ihnen machen solche Wortspiele.

 

 

 

 

 

Was möchten Sie künftigen Tagesmüttern und Tagesvätern aus Ihrer      Erfahrung gerne mitteilen?

Ich denke, man muss sich sehr bewusst sein, wieviel Verantwortung man trägt mit der Betreuung von kleinen Kindern. Das ist nicht zu unterschätzen, man muss schauen, was ganz wichtig ist, wie viel man sich zutrauen kann. Ich habe gemerkt für mich ist dieser Rahmen mit der Betreuung von 3 Kindern an 4 Tagen eine ganz tolle Sache. Das ist mir nicht zu viel und nicht zu wenig. Ich kann gut mit den Kindern umgehen, bin ausgeglichen und nicht genervt. Ich habe die Ruhe und Gelassenheit, um auch auf die Launen der Kinder zu reagieren. Denn sie sind ja auch immer unterschiedlich.

Als Tagesmutter sollte man gut organisieren können, da viel zu tun ist.

Zu beachten ist, dass man als Tagesmutter alleine arbeitet. Man muss ohne Kollegen zurechtkommen. Das hat sicherlich auch Vorteile, kann aber auch mal Nachteile haben oder schwieriger sein.

Ich bin gerne Tagesmutter. Vielleicht würde ich heute im Vorfeld des Startes in die Kindertagespflege eine pädagogische Ausbildung machen. Vielleicht mit einem Schwerpunkt Richtung Waldorf-/Pikler.

 

 


 

 

„Kindertagespflege ist für mich eine Arbeit mit Herz.“

Gespräch mit Francisca Krishnamoorthy – Tagesmutter seit 2011 im Gutleutviertel

 

 

 

 

Wie kamen Sie auf die Idee, Tagesmutter zu werden?

Ich habe in meiner Heimat Bürokauffrau gelernt und mehr als 10 Jahre in dem Beruf gearbeitet. 2000 bin ich nach Deutschland gekommen, habe 2 Kinder bekommen und bald die Sprache gelernt. Leider wurde die Ausbildung, die ich in meinem Heimatland gemacht habe, hier nicht anerkannt. Ich musste nochmal im Bürobereich eine 2-jährige Ausbildung machen, die ich mit der IHK-Prüfung bestanden habe. Bei der Jobsuche war es schwierig etwas zu finden, was mit der Betreuung meiner Kinder gepasst hätte: meine Tochter war 6 Jahre und mein Sohn 4 Jahre alt. Ich wollte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen.

Mir kam die Idee, dann mache ich etwas Selbständiges. Meine Freundin ist Tagesmutter im Nordend. Wir sind beide in einer Kirchengemeinde, arbeiten dort mit Kindern ehrenamtlich. Sie hat mich gefragt, ob ich mir ihre Arbeit als Tagesmutter nicht mal bei ihr anschauen will. Sie sagte, Du liebst Kinder und Du arbeitest doch auch mit mir in der Kirche. Dann war ich bei ihr, ein Tag, zwei Tage. Das hat mir gut gefallen. Ich habe gemerkt, das ist meine Arbeit. Dann habe ich mich bei der Qualifizierung angemeldet und denke immer noch, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

 

Was waren Aha-Momente während Ihrer Qualifizierung zur Tagesmutter?

In der gesamten Qualifizierung gab es viele Aha-Momente und ich habe viel Neues gelernt, Was mich sehr überrascht hat, dass das Vorlesen nicht nur Förderung und Unterstützung in der sprachlichen Entwicklung bedeutet, sondern dass darüber auch die Beziehung zwischen Tagesmutter und Kind aufgebaut wird. Zum Beispiel beim Zusammensitzen und ein Bilderbuch anschauen oder auf dem Schoss sitzen und vorlesen. Das zeigt die Beziehung zwischen mir und dem Kind, den Kindern, damit wird Vertrautheit aufgebaut.

Nicht nur die sprachliche Entwicklung, auch die geistige und emotionale Entwicklung werden durch das Vorlesen gefördert. Beim Geschichtenvorlesen passiert ganz viel.

Auch beim Spielzeug war für mich neu, dass man Spielzeug für bestimmte Entwicklungsstufen für Kinder nutzt und ihnen bewusst anbietet. Als mir das klar wurde, habe ich meine Spielkisten aufgeräumt. Die Kinder benötigen bestimmte Spielsachen für ein bestimmtes Alter. Zum Beispiel Bewegungsspielzeug wie Schaukel, Laufrad, Bobbycar oder Koordinationsspielzeug, Bauklötze, Lego.

 

 

Haben Sie Schwerpunkte in Ihrer pädagogischen Arbeit?

Das Vorlesen ist ein regelmäßiger Bestandteil und somit Schwerpunkt in meiner Arbeit mit Kindern. Ich setze auch Schwerpunkte in Kreativität und Musik. Ich bastele viel mit meinen Tageskindern.

Ich arbeite mit den Kindern viel mit Fingerfarben. Zu bestimmten Anlässen machen wir für die Eltern Geschenke z.B. am Muttertag und Vatertag. Wir arbeiten viel mit den Fingern; z.B. machen wir Finger- und Fußabdrücke. Das ist für die Kinder interessant. Es macht ihnen Spaß.

Ich singe viel mit meinen Tageskindern. Einmal pro Woche gehe ich mit meinen Tageskindern in eine Musikstunde im Mehrgenerationenhaus. Die Musikpädagogin gibt jedem Kind ein Musikinstrument. Kindern macht das viel Spaß, bei der Musik lernen sie viel, Sprache, Emotionen.

 

Was sind für Sie Highlights im Betreuungsalltag?

Schöne Momente erleben wir in unserem Morgenkreis, nach dem Frühstück.

Da singen wir viel, ich lese ein Buch vor oder wir schauen ein Bilderbuch an.

Wir reden oder machen Fingerspiele. Und danach gehen wir raus.

Wir haben in der Woche auch Ausflugtage. Ich habe einen Wagen, da passen die 4 Tageskinder rein und ich kann damit den Bus oder die Straßenbahn nehmen.

Dann gehen wir auf den Spielplatz, auch mal in den Zoo, in den Palmengarten oder nach Schwanheim auf den Waldspielplatz. Wenn wir früh zu einem Ausflug

gestartet sind, dann setzen sich die Kinder später zusammen und holen den Morgenkreis nach. Sie nehmen sich unser Kuscheltier die Eule, die im Morgenkreis

immer mit dabei ist. Das ist so schön das mit anzusehen.

 

Worüber konnten/ können Sie mit ihren Tageskindern herzhaft lachen?

Erinnern Sie sich an eine bestimmte Situation?

Es gibt viele Situation, bei denen ich herzhaft lachen kann. Wenn Kinder anfangen zu sprechen, dann versuchen sie manchmal jemanden nachzuahmen. Ein Tageskind kommt jeden Morgen und geht zum Fenster und möchte es aufmachen. Dabei sagt sie „Francy! Fenster auf. Anna braucht frische Luft“.

Für unsere Ausflüge nehme ich immer meine Ausflugstasche mit, die im Betreuungsraum steht. In der Tasche ist neben anderen Dingen auch eine Sonnenschutzcreme. An einem Tag, ich war gerade in der Küche und als ich zurückkam, habe ich gesehen, die Kinder haben die Sonnenschutzcreme aus der Tasche geholt. Sie haben sich gegenseitig eingecremt, dann das Sofa, den Teppich, den Tisch und den Boden, sie haben alles eingecremt. Ich musste so lachen, als ich das gesehen habe. Die Kinder hatten so viel Spaß gehabt.

Die Kinder beobachten sich und andere genau und versuchen sie das ein oder andere nachzuahmen, sowohl indem sie Worte oder die Sätze nachsprechen oder sich Handlungen abgucken.

 

Was möchten Sie künftigen Tagesmüttern und Tagesvätern aus Ihrer Erfahrung gerne mitteilen?

Kindertagespflege ist für mich eine Arbeit mit Herz. Als Tagesmutter sollte man viel Geduld haben, Kindern mit viel Aufmerksamkeit und Liebe begegnen. Sie brauchen auch Grenzen und Regeln, das ist auch wichtig für die Kinder. Immer auf der Basis von Geduld, Aufmerksamkeit und liebevoller Zuwendung.